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10 Jahre Jobtipps

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Source
Gesines Jobtipps (Education, culture, NGO jobs in Germany)

Description

Liebe*r Leser*in, 2016 war ich wieder einmal auf Jobsuche: Meine befristete Projektstelle war ausgelaufen und ich war arbeitslos gemeldet. Und ich hatte einen Blog, auf dem ich in meiner Freizeit auf Stellen für Geistes-, Kultur- und Sozialwissenschaftler*innen in den Bereichen Bildung, Kultur und NGOs in Berlin und Umgebung hinwies. Einfach so, 10-15 Stunden pro Woche, meist, wenn die Kinder im Bett waren. Es gab viele Dinge, die ich nicht wollte: Wieder einen reinen Brotjob. Weiter abends und am Wochenende vorm Rechner sitzen. Paid Content und Affiliate Links, Abonnements und Premium-Zugänge für Jobsuchende, Anzeigen und Top-Platzierungen für Arbeitgeber*innen. Die Jobtipps aufgeben. Da lud mich ein Leser zum Italiener am Südstern ein, er hatte über meine Webseite nach 27 Jahren seine erste unbefristete Stelle gefunden. Beim Essen erzählte er mir, dass die Online-Ausgabe der taz sich per Pay-What-You-Want finanziert. Das war die Idee! Zuversichtlich, das richtige Bezahlmodell gefunden zu haben und den Gründungszuschuss der Arbeitsagentur zu bekommen, beschloss ich, mich im Juni 2016 mit den Jobtipps selbstständig zu machen und um freiwillige Zahlungen zu bitten. Es funktionierte: Im ersten Monat erreichten mich 556,28 €, im sechsten waren es 1.935 €, Ende 2017 überschritt ich zum ersten Mal 4.000 € und nach zwei Jahren beantwortete ich die Frage, ob ich von meiner Arbeit leben kann, mit „Ja“. Es gab recht viele Stellenangebote und mehr und mehr Arbeitgeber*innen kamen auf mich zu. 2018 stellte ich die erste Minijobberin ein und 2019 eine sozialversicherungspflichtig Angestellte, ich suchte mir einen IT-Entwickler, eine Steuerberaterin und ein Lohnbüro. Seit Oktober 2019 gibt es die Jobtipps auch für meine Heimatregion Halle-Leipzig. So langsam nahm die Arbeit überhand, und ich war kurz davor hinzuschmeißen. Also ließ ich mich beraten, veränderte Dinge im Innen und Außen, davon war manches schnell, einfach und preiswert, anderes langwierig, komplex und teuer. Aus Datenschutzgründen schloss ich das Archiv der abgelaufenen Stellen, aus politischer Überzeugung verabschiedete ich mich von PayPal und Twitter. 2021 bis 2023 war eine gute Zeit für die Jobtipps: Es wurden zahlreiche Stellen ausgeschrieben und ich hatte parallel bis zu drei Mitarbeiter*innen in Teilzeit. Beides zusammen führte dazu, dass sich sowohl meine Einnahmen als auch meine Ausgaben auf vorher und nachher nie wieder erreichtem Niveau bewegten 😉 Doch die politische, wirtschaftliche, gesellschaftliche und technologische Lage veränderte sich, die Finanzierung für Bildung, Kultur und NGOs wurde gekürzt und es gab weniger Jobs. Ich brauchte nicht mehr so viel Unterstützung und so lief im Februar 2024 der Vertrag mit meiner damaligen sozialversicherungspflichtigen Angestellten aus, im Mai 2025 endete die Zusammenarbeit mit meiner letzten Minijobberin. Vielen Dank an Magdalena, Lotte, Katharina, Sarah, Max, Verena, Karen, Paula und Sylvia für eure Mitarbeit im Laufe der Jahre! Abgesehen von Menschen, die ich bei Bedarf für IT und Steuern hinzuziehe, bin ich also wieder „allein“ bei den Jobtipps. Und auch wenn ich nun kein Personal mehr bezahle, sind meine übrigen Ausgaben wie bei uns allen aufgrund der Preise gestiegen und seit 2024 liegen meine Einnahmen deutlich unter denen der Jahre zuvor. Denn die finanzielle Ausstattung für Vereine, Bildungseinrichtungen, soziale Träger und nicht-kommerzielle Angebote ist nach wie vor knapp, die Anzahl der Stellen in diesen Bereichen überschaubar und mit Blick auf Politik und Wirtschaft sieht es momentan leider nicht so aus, als ob sich das in naher Zukunft verbessern wird. In all der Zeit gleichgeblieben sind hingegen nicht nur das Aussehen der Webseite, sondern auch einige andere Dinge: Ich freue mich, immer wieder neue Stellen zu finden und zu sehen, wer was macht, um den Herausforderungen der Zeit zu begegnen. Da sind so viel Herzblut, Kreativität und Zuversicht, es ist unglaublich! Meistens macht mir meine Arbeit Spaß 🙂 Ich recherchiere den Großteil der Stellen selbst, auch wenn mir inzwischen viele Arbeitgeber*innen ihre Ausschreibungen schicken. Doch die zuständigen Mitarbeiter*innen machen Urlaub, vergessen es mal oder wechseln den Job. Ich schaue mir alle Stellen an und prüfe, ob sie zu meinen Kriterien passen, bevor ich sie veröffentliche. Keine Ausschreibung geht ungesehen oder automatisch online. Ich lehne ca. 1/3 der eingereichten Stellen ab und empfehle nach Möglichkeit andere, kostenfreie Kanäle. Auch, wenn für die Bekanntmachung über mich eine Zahlung angeboten wird, im Zweifelsfall verzichte ich auf das Geld. Ich mache vieles ganz bewusst nach wie vor händisch, schreibe alle Texte selbst und nutze keinerlei IT-Tools für meine Arbeit. Ich habe keine staatliche Förderung, keine Mäzen*innen, keine Werbeeinnahmen, keinen Bezahlcontent, keine Paywall, keine Abogebühren und keine Anzeigenpreise. Die Jobtipps finanzieren sich ausschließlich durch freiwillige Zahlungen von Jobsuchenden, Arbeitgeber*innen und den verlinkten Coaches. Ich verdiene meinen Lebensunterhalt mit den Jobtipps. Ich spiele kein Lotto, habe nicht geerbt und keine Einkünfte aus (gut) bezahlten Nebentätigkeiten, Vermietung, Büchern oder Online-Guides. Nur sehr selten halte ich Vorträge, noch seltener bekomme ich dafür ein Honorar. Ich veröffentliche meine Einnahmen und spende für jede Person und jede*n Arbeitgeber*in, die mich im Laufe eines Jahres unterstützt hat, 1 € an eine gemeinnützige Organisation, vorzugsweise hier bei mir in Treptow-Köpenick. Ich danke allen von Herzen, die freiwillig zahlen, und allen, die anderen Jobsuchenden und ihren neuen und alten Arbeitgeber*innen von den Jobtipps erzählen! Ohne eure finanzielle Wertschätzung meiner Arbeit, eure Fürsprache und eure Mundpropaganda hätte ich es nicht bis hierher geschafft. Dieses Jahr nun feiern Gesines Jobtipps Jubiläum: Sie werden zehn! In dieser Zeit habe ich gut 35.000 Stellen veröffentlicht und es gilt nach wie vor das Prinzip: Niemand muss zahlen, aber alle können! Ich bin stolz und sehr dankbar, dass das so möglich war und hoffe, dass es trotz der aktuell angespannten Lage noch lange so bleibt. Ich würde mich riesig freuen, wenn Du ebenfalls mit dabei bist und mich einmalig oder regelmäßig mit einem Betrag Deiner Wahl unterstützt. Herzlich Gesine

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